Warum man nicht alles super können muss
Getrocknete Rosen sind manchmal sogar schöner als Frische.

Warum man nicht alles super können muss

Ich neige dazu, dass ich Dinge erst dann gerne mache, wenn ich sie gut kann. Ich glaube, damit bin ich nicht allein. Ich höre von Freundinnen öfter, dass sie etwas gar nicht erst beginnen, weil sie schlecht darin sind und keine Zeit haben, um besser zu werden.

Klar, es ist einfach ein schönes Gefühl, etwas zu tun, in dem man richtig gut ist. Das erfüllt uns mit Stolz und Genugtuung.

Das ist beim Sport der Fall, wenn ich weiter oder schneller laufen kann. Oder beim Nähen, weil ich die Oberteile sauberer nähe. Oder wenn ich eine Instrument spiele und immer besser werde.

Aber eigentlich finde ich, es muss nicht immer besser, schneller, weiter, höher sein. Ich muss nicht besser in irgendetwas werden und mir erst dadurch die Erlaubnis zu geben, es guten Gewissens zu tun.

Manches darf schlecht bleiben

Ich walke zum Beispiel seit der Geburt meines dritten Sohnes, ohne merklich besser zu werden. Mein Beckenboden ist das eine Problem, weil ich die Distanzen nicht erweitern kann. Das zweite Problem ist allerdings mein Schweinehund. Mir fehlt die Motivation, mich da reinzuhängen. Deshalb hänge ich seit fast zwei Jahren bei einer Distanz von fünf Kilometern fest. Früher hätte mich das wahnsinnig geärgert – zumal ich damals nach Feierabend dreimal die Woche 12 Kilometer gejoggt bin. Ich kenne es ja aus eigener Erfahrung, sportliche Erfolge zu haben.

Aber sehen wir der Tatsache ins Auge: Ich bin im Ausdauersport inzwischen konstant schlecht. Und das ist okay für mich. Ich mache es trotzdem gern.

Dann haben wir das Nähen. Ich nähe total gerne, aber bin extrem ungeduldig und habe mir auch alles selbst beigebracht. Mir fehlen die Zeit und die Geduld, mich richtig reinzuhängen. Trotzdem nähe ich gerne, wenn ich dazukomme.

Hier eine schnelle Mütze oder da schiefe Adventskalendersäckchen. Das neueste Beispiel sind krumme Abschminkpads. Zwischen der Idee und dem fertigen Werk lagen 20 Minuten. Sie sind nicht hübsch, sie sind nicht perfekt. Sie sind sogar hässlich, ganz unter uns. Aber sie erfüllen ihren Zweck.

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Hätte ich diese Pads perfekt haben wollen, gäbe es sie heute noch nicht. Und ich bin zufrieden mit ihnen. Das ist die Hauptsache.

Ich möchte auch Flöten lernen und habe mir daher zu Weihnachten eine Flöte gewünscht und bekommen. Ich weiß jetzt schon: Mir fehlen der Ehrgeiz und das Talent, darin gut zu werden. Aber wenn ich irgendwann 1, 2 Lieder schaffe – vielleicht auf Grundschulniveau – bin ich damit glücklich.

Ich muss auch hier nicht die Beste werden. Im unteren Niveau rumkrebsen ist okay für mich. Denn um es richtig gut zu lernen, fehlen mir auch hier die Zeit und Motivation. Dann könnte ich es direkt sein lassen. Und das wäre doch schade. Denn lieber spiele ich schlecht ein bisschen Flöte als gar nicht.

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Es wird mir trotzdem Spaß machen. Einfach, weil ich Lust darauf habe.


Viele haben Angst vor schlechten Leistungen

Wir haben Angst, das laut auszusprechen, dass es so sein darf. Weil wir vielleicht schief angeschaut werden, wenn wir etwas nicht gut können und es trotzdem gerne machen. Weil es nicht in unsere Leistungsgesellschaft passt, dass ich mit einer unterdurchschnittlichen Leistung zufrieden bin. Und nicht einmal den Ehrgeiz habe, besser zu werden.

Ja, Scheitern ist nicht schön. Aber ganz ehrlich: Das ist kein Scheitern.

Es ist die beruhigende Erkenntnis, dass wir Dinge auch dann mit Liebe und Hingabe machen dürfen, wenn wir darin schlecht sind. Einfach, weil wir es mögen, es gut tut, es Freude bereitet.

Denn das ist das Beste, was wir uns selbst schenken können: Mut zur Hässlichkeit, Mut zu durchschnittlichen Leistungen, Mut zu Dingen, die Spaß machen. Ohne weiteres Hinterfragen und Zweifeln. Einfach Dinge tun, weil wir Lust darauf haben und nicht, weil wir besser werden möchten darin oder Anerkennung von anderen brauchen.

Denn wenn wir immer nur Dinge perfekt erledigen möchten, haben wir am Ende unseres Lebens eine sehr lange to-Do-List und nur wenige Sachen, die wir wirklich umgesetzt haben.

Und das wäre doch verdammt schade, oder?

Also denkt nicht so lange nach, sondern macht einfach.

Liebe Grüße und viel Spaß beim Durchstarten! 

Eure Miriam
vom Mamablog Muttiversum

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